caratart Mentoren im Interview – 3: Hendoc

caratart Mentoren im Interview – 3: Hendoc

Erzähl uns von deinem ersten Erlebnis mit einer Kettensäge.

Das erste Erlebnis mit der Kettensäge war eine misslungene Baumfällung im Alter von 14 Jahren. Die Fichte bekam einen Windstoß ab und landete direkt auf der Motorhaube des nagelneuen Mercedes des Nachbarn. Anstatt für immer mit diesem Werkzeug aufzuhören, habe ich mich in den folgenden 1000 Baumfällungen stets verbessert. Bis heute…

Dein künstlerisches Schaffen dreht sich um Holz. Was bedeutet Holz für dich?

Sieht man einen schönen Baum, so versteckt er seinen eigentlichen Schatz unter seiner Rinde. Berührt die Krone des Baums irgendwann – bedingt durch Fällung oder Sturm- den Boden, ist es kein Baum mehr, sondern eine Menge Holz. Aus diesem dann das Filet herauszuschneiden, um das Leben des Baumes zu lesen, ist die Kunst der Materialbeschaffung…

Die Geburt deines Sohnes und die Entstehung des Projektes ei-che.de fallen ins gleiche Jahr. Gibt es da einen Zusammenhang oder ist das Zufall?

Als ich hörte, dass ich ein Kind bekommen würde, habe ich einen 3 m langen und 200 kg schweren Spermatit geschnitzt. Dieser schoss optisch auf 2 Eier zu, um sich eben eines auszusuchen. Später legte ich das Baby in die Kuhle des Eies und es fühlte sich sehr wohl dort und schlief gleich ein. Solange mir das Herstellen von diesen Skulpturen Spaß bereitet, werde ich weiter aus den besten Stücken des Baumstamms Eier schnitzen…

Graffiti in 3D – mit der Kettensäge aus Holz geschnitzt. Wo liegen die Wurzeln dieses ungewöhnlichen Kunst- und auch Kriminalpräventions-Projektes.

Mein erfolgreichster Praktikant kam 1999. Er war damals 19 und wusste nicht so recht, was er machen wollte. Und er war Sprayer und malte nachts Züge und Wände an. Da kam es zur Initialzündung des Schnitzing- Projekts. Heute ist er Bildhauer-Meister und bildet als Lehrer andere Bildhauer aus.

Was möchtest du jungen Künstlern im Rahmen unseres Mentoren-Programms mit auf den Weg geben?

Künstler zu sein, heißt, täglich zu üben, zu produzieren und verhältnismäßig mehr zu arbeiten als Menschen in „normalen“ Berufen. Wer nicht fleißig ist, wird es nicht schaffen, von seiner Kunst zu leben.

Dieses Interview wurde erstmals veröffentlicht im Ausstellungskatalog zur Kunstausstellung “caratart Episode 1″. Blättern >>

 

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