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Hendoc und sein neues Atelier in Frankfurt

Künstler und Holzbildhauer Hendrik "Hendoc" Docken

6. Juni 2013 Künstler Kommentieren

caratart Mentor und Ausnahme-Bildhauer Hendoc bezieht sein neues Atelier in Frankfurt. Das hat er auch zum Anlass genommen, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Über seine Geschichte, seine Werke und das Konzept des neuen Ateliers.

Geschichte

1989 eröffnete er in der Altstadt von Bad Homburg seine erste Werkstatt in den Räumen einer alten Wagnerei, die seit Jahrzehnten vor sich hin schlummerte. Sprossenfenster, Werkzeuge aus den 30er Jahren und ein kleiner Holzofen waren auf 35 Quadratmetern von einer Schicht aus Spinnweben und Staub verhüllt.  Hier wurde der erste Adler geschnitzt.

1991 zog er nach Oberursel in ein Schlachthaus aus der Jahrhundertwende, wieder in der Altstadt und wieder mit Sprossenfenstern.  Diesmal auf 80 qm und mit Zentralheizung und Wohnung. Hendoc verlebte dort neun wunderbare Jahre mit viel Schaffenskraft und feinen Festen. Der Adler wurde in der Ackergasse viele Male immer wieder neu erfunden und geschnitzt.  1999 kam die Eigenbedarfsklage und im Mai 2000 zog er endlich in den Wald, den er als Kind schon bespielte.

Das ehemalige Wanderlokal `Zur Heidetränke` wurde sein Domizil. Ohne Strom, Telefon, Wasser, Heizung und Handyempfang, dafür Platz bis zum Horizont und keine Nachbarn auf den nächsten 2 Kilometern. Die Kettensägen können hier das ganze Jahr durch zu jeder Zeit angeworfen werden und ein 6 Meter großer Adler ziert heute das Entree. Nach 3 Jahren des Zusammenlebens mit Stromgeneratoren, grub er 2003 vier Monate lang mit Hilfe einiger Freunde einen knapp zwei Kilometer langen Graben und versenkte dort Telefon- und Stromkabel. Die Freude, einen Lichtschalter zu betätigen, ohne den alten Hatz-Diesel im Hintergrund zu hören, war größer als alle Weihnachten zusammen.  2008 wurde ein Brunnen von 100 Meter Tiefe gebohrt, der seitdem Wasser feinster Qualität liefert. Im Sommer ist die Heidetränke ein Paradies, im Winter ein Albtraum.

So beschloss Hendoc am 12.12.2012 wieder in die Stadt zu ziehen. Da er alte Häuser sehr mag, kam er durch einen glücklichen Zufall in die Rosenbergerstr.6 und verliebte sich dort im Nu in das Schmuckstück. Die Adler werden mittlerweile in Bronze gegossen und sind hinter Panzerglas sehr behütet und gut beleuchtet ausgestellt. Außerdem gibt es wieder eine Zentralheizung.

Konzept

Bronzen

Die Bronzen werden  9 Mal gegossen, wovon nur 7 in die Serie gehen. Der Anguss und ein weiteres Exemplar bleiben im Besitz des Künstlers. Danach wird die Form zerstört, in sieben Teile gesägt und unter den Besitzern der Bronzen aufgeteilt.

Die Preise der Bronzen sind gestaffelt, so dass sich nach dem  Verkauf, der Wert der Bronze jeweils um 10% steigert.

Adler Bronzen

Das zentrale Thema seiner Arbeit ist seit 1989 der Adler in seiner eleganten, engelshaften und siegreichen Form. Aus dem Symbol unserer Stadt und unseres Landes wurde kontinuierlich die Aggression herausgenommen, so dass er sich heute als `neuer Adler` versteht.

  • Serie 1 von 2003                    5 von 7 derzeit  erhältlich
  • Serie 2 von 2012                   6 von 7 derzeit  erhältlich
  • Serie 3  in Arbeit

Holzdruck

Die Hendoc-Aktie ist der aus 7 Druckplatten bestehende Holzdruck mit dem Bildnis des Adlers. Seit dem 9.11.1994 presst er Farben, die ihn inspirieren, auf feinste Papiere. Bei jeder Farbschlacht entstehen 12 Drucke von denen 10 in die Serie gehen.  Bis heute wurden 230 Drucke hergestellt, die Maximalauflage liegt bei 1000. Derzeit liegt der Preis pro Druck bei € 480.  Die Wahl des Rahmens ist Kundensache.

Eier

Die Geschichte der Eier geht in das Jahr 1996 zurück. Damals erfuhr Hendoc, dass er Vater wird und schnitzte aus einer gigantischen Eiche einen drei Meter langen Spermatit, der auf zwei Eier zuschoss; alle wollten die Eier haben, keiner den Spermatit.

Aus den interessanten und geschichtsbeladenen Bäumen der Region werden seitdem Eier geformt, die dem Leben des Baums Tribut zollen und seine Geschichte und Schönheit  zeigen. Nebenbei verstehen sich die Eier als haptische Skulpturen und sind kinderpopozart geschliffen. Das Ei wird 3 Jahre lang getrocknet und dann weitere 3 Jahre lang verliehen, damit es langsam trocknet. Danach wird es überarbeitet und geht in den Verkauf. Das bevorzugte Holz ist seit 10 Jahren Walnussbaum und Eiche, dicht gefolgt von Kirschbaum und Ahorn. Weichhölzer benutzen nur die vielen Kopisten. Pro Jahr werden zwischen 4 und 6 Eier geformt, da ihm diese Arbeit immer noch großen Spaß bereitet.

Yoga

Aus einem groben Stück edlen Holzes einen Frauenkörper zu schnitzen, ist vielen Holzbildhauern in die Wiege gelegt worden. Doch die Anmut des weiblichen Körpers im Yoga, ist für ihn geradezu perfekt.  Bis zu 500 Stunden schnitzt und schleift Hendoc an solch einer Pose, um auch den handwerklichen Teil seiner Arbeit zu bedienen. Selbstredend, dass nur Bronzen der Yoga-Damen verkauft werden.

Sämtliche Skulpturen und Bronzen sind käuflich oder zu vermieten. Die Jahresmiete beträgt 10% des Verkaufspreises, sollte jedoch € 365 nicht unterschreiten. Die Hälfte der Miete wird auf den Verkaufspreis angerechnet.

Vergoldungen

Die letzten 13 Jahre hat Hendoc abends und nachts alleine in seinem Haus im Wald die Vergoldungen durchgeführt. Eine Arbeit, die so leise ist, dass man Tabakkrümel fallen hören kann. Dies soll zukünftig abends im Atelier in der Rosenbergerstr. 6 stattfinden und gibt dem gewogenen Betrachter die Möglichkeit, bei einem Glas Apfelwein mit ihm über Kunst, Gold und die anderen schönen Dinge des Lebens zu sprechen. Und das alles in Ruhe. Um telefonische Besuchsankündigung wird gebeten.

Apfelwein

Der Gewölbekeller wird nach der nächsten Ernte im Oktober 2013 mit ausgezeichneten, schwefelfreien Apfelweinen gefüllt sein, der ab Weihnachten 2013 zum Verkauf steht. Allerdings nur ab 10 Litern in eigenen Glasgefäßen. Um Voranmeldung wird gebeten.

Eine märchenhafte Nacht: „Rotkäppchen vs. Der böse Wolf – Deutsche Romantik trifft Streetart“ bei der Langen Nacht der Münchner Museen

caratart Episode 2

1. November 2012 Ausstellungen, Künstler, Projekte, Veranstaltung Kommentieren

20. Oktober 2012, 19 Uhr, Tatort München: Eine junge Dirne aus dem Rotlichtmilieu wird Opfer der obskuren Machenschaften ihrer Großmutter, eines raubtierhaften Zuhälters und eines korrupten Ordnungshüters. Das ist kein Samstagskrimi sondern die eigenwillige Inszenierung von Ringelnatz‘ Rotkäppchen durch Student(inn)en der Bühnenbildklasse der Akademie der Bildenden Künste München in sechs Fenstern des hotelmüller München. Die 5minütige Aufführung wurde alle viertel Stunde neu auf die Bühne gebracht und zog die ganze „Lange Nacht“ über eine Vielzahl an begeisterten Zuschauern an. Auch zwei junge Einsatzkräfte der Münchner Polizei wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen :)

>> Rotkäppchen Inszenierung (YouTube Video)

Die Inszenierung war der Auftakt zum inszenierten Kulturclash der „caratart Episode 2“ und damit zu einer Entdeckungsreise quer durch die moderne Kunst. Im Innenhof des Hotels konnten sich die Gäste bei Getränken und Snacks mittels einer Videoleinwand einen Eindruck verschaffen, welche künstlerische Vielfalt sie sonst noch im hotelmüller München und im carathotel München erwartet. Über 100 Kunstwerke von zwölf zeitgenössischen Künstlern wollten in den öffentlichen Räumlichkeiten beider Hotels entdeckt werden. Die Künstler standen zudem den ganzen Abend interessierten Besuchern für Gespräche zur Verfügung – und der ein oder andere hat die Gelegenheit genutzt künstlerische Inspiration und akademisches Wissen auf eine lange philosophische Reise zu schicken. Spannend und inspirierend sowohl für Künstler als auch Gäste!

>> Timelapse Innenhof (YouTube Video)

Ein weiterer Höhepunkt war die Streetart Session in der Tiefgarage des carathotel München: Die beiden Münchner Graffiti Größen Loomit und LawOne zeigten live ihr Können mit Farbrolle und Sprühdose und gaben so einen Einblick in einen Kunstzweig, der nur langsam den Respekt und die Anerkennung bekommt, die ihm gebührt. Hautnah konnten die Besucher hier erleben, welche Präzision und welches Fingerspitzengefühl für die Entstehung der Streetart Werke nötig ist.

Für uns als Kunstverein ist es das größte Kompliment, wenn wir sowohl die Besucher der Veranstaltung als auch die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler glücklich machen konnten. Fast 1.500 Besucher erlebten eine spannende Rotkäppchen Inszenierung, spazierten durch eine inspirierende Kunstausstellung und statteten dem bösen Wolf der modernen Kunst in der Tiefgarage einen Besuch ab – ohne gefressen zu werden.

Hier eine Kollektion der besten Bilder des Abends. Mehr gibt es auf unserer Facebook-Seite >>

Feedback von unseren Künstlern:

„Die Aktionen zur langen Nacht im Carat Hotel und im Hotel Müller waren spannend und vielseitig, mit viel Kreativität und persönlichen Einsätzen von ganz vielen Personen wurde die Nacht ein kleines Märchen. Alles war mit viel Arbeit verbunden, dafür möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen und den Mitverantwortlichen bedanken.“ Elis Hoymann

„Nochmals vielen, vielen, herzlichen Dank an [euch] für diesen wundervollen Abend! Ich weiß [euer] Engagement sehr zu schätzen.“ Julie Keupen

„Der Grund für mein Schreiben an Sie ist, dass ich mich bedanken möchte. Bedanken für den vollen Einsatz, den Sie und Ihre Mitarbeiter für den Event am vergangenen Samstag geleistet haben. Für den Enthusiasmus, den Ideenreichtum, die gute Stimmung, die zuverlässige Betreuung, den schönen Katalog und dass Sie uns Künstlern das Gefühl vermittelt haben, bei etwas Interessantem und Wichtigem dabei zu sein. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Das dachte ich, sollten Sie wissen.“ Hanjo Schmidt

„Ich möchte mich auf diesem Wege bedanken für den tollen Abend und die wunderbare Organisation. Es war für mich ein sehr aufschlussreicher Abend und verbunden mit vielen Gesprächen habe ich einen Eindruck bekommen, wie meine Bilder aber auch die Werke der anderen und insbesondere die der Bühnenbildstudenten bei den vielen Besuchern ankamen.“ Katharina Schick

„Nochmals vielen Dank für alles, ich fand es beeindruckend.“ Ursula Singer

„Das war ein toller Event. Ihr habt es geschafft, die akademische Welt und die nicht akademische Welt zusammen zu bringen.“ Mike Prinz

Nicht nur wir, die Künstler(inn)en und Besucher(innen) waren beeindruckt, auch die Presse hatte einiges zu sagen. Einen Überblick über die Meldungen gibt es hier >>

Und jetzt freuen wir uns bereits auf die „caratart Episode 3“. Ob wir das Spektakel in München nochmal toppen können? Wir sind gespannt…

Münchner Streetart Projekt: Heimatpunk meets Loomit

Heimatpunk München

11. September 2012 Künstler, Projekte 1 Kommentar


HeimatPunk ist ein Münchner Streetart Modelabel-Projekt, das sich für Integration und Chancengleichheit einsetzt.

T-Shirts aus fairer Produktion werden für vom Schicksal benachteiligte Menschen zur persönlichen Projektionsfläche: Gemeinsam mit einem Paten – einer bekannten Persönlichkeit – entstehen handgemalte Motive, die ihre Meinung zum Thema Heimat und Integration ausdrücken. Von jedem verkauften Siebdruck-Shirt gehen 5 Euro direkt an die Organisation des jeweiligen „Patenkindes“.

Das Projekt startet mit dem Motto „Münchner Originale“ und deren gestalteter Gedanken. Das erste Motiv hat Loomit, Münchens weltbekannter Graffitikünstler und caratart Mentor, gestaltet, gemeinsam mit Wolfgang Räuschl, seit November 2011 Biss-Straßenmagazin Verkäufer. HeimatPunk begleitet den kreativen Prozess – ab 19.September 2012 auf www.heimatpunk.de zu verfolgen.

Kontakt: info@heimatpunk.de

Neue Arbeiten von caratart Mentor Bombolo

Portrait, Frühling (4 Jahreszeiten)

24. August 2012 Künstler Kommentieren


Im letzten Jahr kehrte Bombolo nach 29 Jahren auf Mallorca zurück nach Deutschland an die Lahn. Nach Fertigstellung seiner neuen Arbeitsräume im *spaltschieferhaus* entstanden zum einen Werke mit Materialien seiner neuen Heimat und Bronze-Arbeiten (die zur Zeit in Barcelona gegossen werden).

Die Werke “4 Jahreszeiten” sind gestaltet mit Öl und Fundstücken des Waldes auf Schiefer und Holzplatten gezogen und jeweils 130 x 130 cm groß.

Neue Zeichnungen von caratart Mentor Stefan Beltzig

Zeichnungen "Dead End" und "Gowanus Kanal" von Stefan Beltzig

21. August 2012 Künstler Kommentieren


Den größten Teil des letzten Jahres hat Stefan Beltzig in Brooklyn (New York, USA) verbracht und für seinen aktuellen Bilderzyklus den Umbruch in der Region um den Gowanus Kanal zeichnerisch dokumentiert.

Der Gowanus Kanal

Der Gowanus entstand Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem gleichnamigen Meeresarm Gowanus Creek. Mit einer Länge von nur 3 km, war der Kanal von unschätzbarer Bedeutung für die im Umland angesiedelten Gießereien, Kohlelager, Chemie- und Betonfabriken und entwickelte sich binnen kürzester Zeit zur meist befahrensten Wasserstraße des Landes. Der Kanal wurde auch wichtig für die Entladung des rotbraunen Sandsteins aus den Steinbrüchen in New Jersey, der zur Errichtung der typischen Brownstone-Häuser in den Bezirken rund um Caroll Gardens und Red Hook verwendet wurde.

Heute erinnert nur mehr wenig an die industrielle Bedeutung des Gowanuskanal und des Gebiets South Brooklyn. In der jüngeren Vergangenheit sorgte vor allem die zunehmende Luft- und Wasserverschmutzung des Kanals für Aufmerksamkeit. Um dem schadstoff- und geruchsintensiven Problem entgegenzuwirken, wurden nun entsprechende Reinigungsmaßnahmen ergriffen. Doch wie eine zähe Nebeldecke hängen vergangene Geschichten um Mord und Gewalt und die Nutzung des Kanals als Abwasserdeponie noch immer schwer über den Gowanuskanal und das benachbarte Hafenviertel Red Hook.

Die Zeichnungen aus dem aktuellen Zyklus waren im letzten September im Münchner Kunstpavillon ausgestellt und sind im September / Oktober 2013 bei OK HARRIS in New York zu sehen.

www.stefanbeltzig.com

Interview mit caratart Mentor Michael Gmeiner aka LawOne

Michael Gmeiner aka LawOne

15. August 2012 Interview, Künstler Kommentieren


Wie sind Sie zur Graffiti-Kunst gekommen?

Am stärksten beeinflusst wurde ich durch die Graffiti Bilder, die man entlang der Bahnlinien und S-Bahn Strecken sehen konnte. Ich fragte mich damals wie die Künstler solch große und aufwendige Bilder malen konnten. Das faszinierte mich und ich wollte das auch ausprobieren. So kam ich 1995 über einen Freund, der zu der Zeit bereits sehr gut sprühen konnte, zu den ersten Versuchen mit der Sprühdose. Er brachte mir den Umgang mit der Dose bei und seitdem bin ich nicht mehr davon los gekommen.

Was ihr ihr bisher größtes Projekt?

Das größte Projekt, an dem ich beteiligt war, ist eine Kooperation mit mehreren Künstlern gewesen. Die zu gestaltende Wand war ca. 50 x 8 m groß. Dies geschah im Rahmen eines internationalen Graffiti Treffens in Wiesbaden.

Welches Projekt hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Die freudvollsten Projekte für mich sind Graffiti Workshops mit Kindern und Jugendlichen, da ich auch beruflich oft mit ihnen zu tun habe. Als ich angefangen habe zu sprühen gab es solche Angebote nicht und ich wäre damals froh gewesen von erfahrenen Leuten die ersten Tipps und Tricks zu erlernen. So mussten wir uns alles selbst beibringen und dementsprechend oft Lehrgeld bezahlen J Die Faszination und den Eifer der Kids live mitzuerleben spornt mich selbst immer wieder an meinen persönlichen künstlerischen Weg weiterzugehen und bestärkt mich das Richtige zu tun.

Interview mit caratart Mentor Mathias Köhler aka Loomit

Graffiti Kunst by Loomit

15. August 2012 Interview, Künstler Kommentieren


Wie sind Sie zur Graffiti-Kunst gekommen?

Schon als Kind hatte ich viel gezeichnet, was sich nicht nur auf Malblöcke beschränkte, sondern über die Kinderzimmer-Tapete auf sämtlichen Schulheften und Schulbüchern übergriff. Mit vierzehn erfuhr ich über einen Freund, dass die komplette New Yorker U-Bahn von so genannten Writern bemalt wurde, die dazu Sprühdosen verwendeten und da meine Mutter tatsächlich eine kleine Kollektion davon besaß, war das der erste Schritt.

Was ihr ihr bisher größtes Projekt?

Das Red Bull Fußballstadion in Salzburg 2006 zusammen mit Kollege Esher aus Berlin und die 600 Quadratmeter große Wand für das Trockendock im Hamburger Hafen 2004.

Welches Projekt hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Mein Reisen, die mich in die sozialen Brennpunkte der Welt brachten, wodurch ich dort mit meiner Form der Malerei öffentliche Flächen in Beschlag nehmen konnte.

Robert Menasse über Ursula Singer

Werke "Stunde Null", "Spiegelreise" und "Cameo"

20. Juni 2012 Künstler Kommentieren


Es ist gar nicht so einfach, einen Text über sich selbst zu schreiben. Deshalb ist es für Künstler wichtig und auch sehr schön, wenn Freunde und Fans ihrer Kunst die Freude an ihren Arbeiten zum Ausdruck bringen können.

Ein schönes Beispiel hierfür ist der Text vom österreichischen Schriftsteller Robert Menasse über die Künstlerin Ursula Singer, welche u.a. in unserer Ausstellung “caratart Episode 2″ mitwirken wird:

“Es ist immer sehr schwer zu erklären, warum Bilder einem etwas SAGEN, und WAS sie einem sagen – darum sind es ja Bilder und nicht Texte. Spezialisten haben Worte für Bilder, aber diese Worte haben ein dialektisches Problem: Sie können EINZIGARTIGKEIT (eben Kunst) beschreiben, aber als Spezialist musst Du das sozusagen SERIENMÄSSIG können, also eine Masse von Einzigartigen bilden, denn mit den Worten für einen einzigen Einzigartigen bist Du kein Spezialist. Diese Einleitung nur, um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: ich bin also kein Spezialist, kein Experte. Ich habe diese Worte nicht, die fachmännisch erklären könnten, warum mich deine Bilder so ansprechen. Aber ich habe Worte für meine Gefühle und Worte für meine Reaktionen, wenn mich etwas berührt (das ist schwer genug). Und ich kann versuchen zu antworten, wenn mir etwas gesagt wird, auch wenn das Angebot zur Kommunikation nicht aus Worten besteht, sondern eben ein Bild ist. Jedenfalls, ich fühle mich durch deine Bilder im schönsten Sinn des Begriffs ANGESPROCHEN. Das ist noch nicht alles, aber das ist schon sehr viel.

Und deine Bilder berühren mich. Das ist so.

Und wenn ich mir das also klar gemacht habe, dann kann ich auch SAGEN, also WORTE finden, warum mich die Kommunikation mit deinen Bildern so anregt, so herausfordert: diese Bilder nehmen die Welt FRAGEND wahr, und dort, wo wir in der Regel das Fragen schon verlernt haben, weil wir Gewohnheit mit Verständlichkeit verwechseln, dort baust Du in den Bildern kleine Rätsel ein, Brüche, die die Fragwürdigkeit herausstreichen, und “Streichen” ist in Hinblick auf die Arbeit mit dem Pinsel ja auch ein sinniges Wort. Zum Beispiel das Bild mit Mutter und Kind am Strand – es ist völlig rätselhaft, warum da eine Reiterarmee sich hervorschält. Man kann das Bild lange anschauen, es ist kein billiges Rätsel, es wird einem mit der Zeit immer klarer, dass das sich so abbilden muss, es gibt kein Glück ohne Bedrohung, na gut – aber warum Reiter? Darüber kann man auch lange reflektieren, ich könnte jetzt eine Stunde vor mich hin tippen, bis hin zur Pointe, dass Der Blaue Reiter jetzt schwarz geworden ist, in die Düsternis des Verdrängten abgesunken ist (was auch überinterpretiert sein kann, aber auch das muss ein Bild erst schaffen: überinterpretiert werden zu können!) usw. Oder das Porträt, das sich in ein Viereck hineinzwängen muss und es doch übertritt, sozusagen die Grenzen des Kästchens nicht akzeptiert… Begrenzt und zugleich entgrenzt – das gibt mir die Möglichkeit, mit dem abgebildeten Menschen zu kommunizieren, es überfordert und unterfordert mich nicht, weil klar ist: das ist kein Idiot und auch kein Held, es ist ein Mensch.”

Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse über Ursula Singer, Februar 2012

Eine Erfolgsmeldung

Künstlerin Gabriele Strehlau: neue Arbeiten 2011 / 2012

2. Februar 2012 Künstler Kommentieren


Wir als Kunstverein caratart e.V. haben im Wesentlichen ein Ziel: Junge und noch wenig bekannte Künstler zu unterstützen, ihren Bekanntheitsgrad und natürlich den ihrer Arbeiten zu steigern. Und es ist ein tolles Gefühl, wenn man etwas erreicht hat. In diesem Fall konnten wir eine Künstlerin unterstützen, endlich die Freiheit zu finden, sich voll und ganz der Kunst zu widmen.

Am Jahresanfang erreichte uns eine Nachricht aus München von der Künstlerin Gabriele Strehlau. Dank ihrer Teilnahme an unserer Ausstellung “caratart Episode 1″ und den daraus resultierenden Unterlagen, wie zum Beispiel dem Ausstellungskatalog, wurde sie nun endlich in die Künstlersozialkasse aufgenommen. “Nun bin ich das erste mal in meinem Leben komplett frei für die Kunst, ohne Einschränkung meiner Kreativität durch lästige, schlecht bezahlte Nebenjobs, durch die ich meine Sozialversicherungen gedeckt wusste.  Vielen Dank also dem Verein :-) )!

Aktuell arbeitet Gabriele Strehlau an den Werken für Ihre Ausstellung im Herbst 2012. Wir wünschen ihr ein tolles neues Jahr voll tatkräftiger Kreativität und freuen uns auf die Ausstellung.

Ein Kunstwerk und seine Geschichte – Künstler erzählen. Teil 1: Werner Pawlok “Stars & Paints”

Werner Pawlok "Pedro Almodovar" fotografiert 1992 in Cannes

15. Juli 2011 Künstler Kommentieren


Um mein Projekt Stars & Paints zu realisieren, benötigte ich in der Vorbereitung Kontakte zu den Stars. In Cannes beim Filmfestival war alles vorbereitet, um mit der 50×60 Polaroid Kamera zu fotografieren. Ich wusste, dass Pedro Almodovar auf dem Festival war und wollte ihn gerne portraitieren. Ein Ober an der Croisette meinte, sein Manager würde am Strand sitzen und einen Drink nehmen. Ich ging hinunter zu dem Mann mit der dunklen Sonnenbrille und versuchte mit meinen besten Argumenten ihn davon zu überzeugen, dass ich ein Portrait von Pedro machen kann.

Der “Manager” ging sofort auf das Spiel ein. Nach ca. einer halben Stunde hob er seine dunkle Brille, lächelte und meinte “Sorry Werner, ich bin Pedro…” und bestätigte meinen Wunsch, ihn zu portraitieren. Nachdem wir fotografiert hatten nahm er mich noch zum Festival mit, um mich Gerard Depardieu vorzustellen….ein Wahnsinnstag!

Mehr Bilder aus der “Stars & Paints” Serie finden sie auf www.pawlokworks.com

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