Interview mit caratart Mentor Mathias Köhler aka Loomit
15. August 2012 Interview, Künstler Kommentieren
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Wie sind Sie zur Graffiti-Kunst gekommen?
Schon als Kind hatte ich viel gezeichnet, was sich nicht nur auf Malblöcke beschränkte, sondern über die Kinderzimmer-Tapete auf sämtlichen Schulheften und Schulbüchern übergriff. Mit vierzehn erfuhr ich über einen Freund, dass die komplette New Yorker U-Bahn von so genannten Writern bemalt wurde, die dazu Sprühdosen verwendeten und da meine Mutter tatsächlich eine kleine Kollektion davon besaß, war das der erste Schritt.
Was ihr ihr bisher größtes Projekt?
Das Red Bull Fußballstadion in Salzburg 2006 zusammen mit Kollege Esher aus Berlin und die 600 Quadratmeter große Wand für das Trockendock im Hamburger Hafen 2004.
Welches Projekt hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?
Mein Reisen, die mich in die sozialen Brennpunkte der Welt brachten, wodurch ich dort mit meiner Form der Malerei öffentliche Flächen in Beschlag nehmen konnte.
Wir sind dabei! caratart bei der Langen Nacht der Münchner Museen
16. Juli 2012 Ausstellungen, Veranstaltung Kommentieren
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Nach dem fulminanten Auftakt mit der Vernissage „Vision & Sounds“ zur Kunstausstellung „caratart Episode 1“ am Vorabend der Art Basel im letzten Jahr wollten wir in diesem Jahr noch mal eins drauflegen. Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass uns das durchaus gelingen kann.
Mit der Veranstaltung „Rotkäppchen vs. Der böse Wolf – Deutsche Romantik trifft Streetart“ und der Ausstellung „caratart Episode 2“ sind wir Teil des Programms der Langen Nacht der Münchner Museen. Die Lange Nacht ist eine etablierte Institution im Kulturleben der Stadt München und Magnet für etwa 20.000 Kunst- und Kulturinteressierte.
Das Programm von „Rotkäppchen vs. Der böse Wolf – Deutsche Romantik trifft Streetart“ ist genauso kontrastreich, wie es der Titel verspricht. In sechs Fenstern des hotelmüller München zeigen Student(inn)en der Klasse Bühnenbild und -kostüm der Akademie der Bildenden Künste München ihre ganz eigene Interpretation der Rotkäppchen Erzählung nach Joachim Ringelnatz. In der Tiefgarage des carathotel München ist der böse Wolf der modernen Kunst unterwegs: Münchner Graffitikünstler zeigen live ihr Können.
Und in den öffentlichen Räumlichkeiten beider Hotels stellen zwölf zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen ihre Kunstwerke aus: Facettenreich treffen unterschiedlichste Stile und Themen aufeinander und harmonieren in einem einzigartigen Kunstdialog.
Der Innenhof vom hotelmüller München wird indes zu einem Märchenwald-Labyrinth. Bei Speis und Trank lässt es sich hier herrlich über Kunst reden oder schweigen.
Die wichtigsten Eckdaten:
- Wann? Lange Nacht der Münchner Museen, 20. Oktober 2012, 19 bis 2 Uhr
- Wo? hotelmüller München (Fliegenstraße 4) und carathotel München (Lindwurmstraße 13), Shuttlebus Haltestelle Sendlinger Tor
Robert Menasse über Ursula Singer
20. Juni 2012 Künstler Kommentieren
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Es ist gar nicht so einfach, einen Text über sich selbst zu schreiben. Deshalb ist es für Künstler wichtig und auch sehr schön, wenn Freunde und Fans ihrer Kunst die Freude an ihren Arbeiten zum Ausdruck bringen können.
Ein schönes Beispiel hierfür ist der Text vom österreichischen Schriftsteller Robert Menasse über die Künstlerin Ursula Singer, welche u.a. in unserer Ausstellung “caratart Episode 2″ mitwirken wird:
“Es ist immer sehr schwer zu erklären, warum Bilder einem etwas SAGEN, und WAS sie einem sagen – darum sind es ja Bilder und nicht Texte. Spezialisten haben Worte für Bilder, aber diese Worte haben ein dialektisches Problem: Sie können EINZIGARTIGKEIT (eben Kunst) beschreiben, aber als Spezialist musst Du das sozusagen SERIENMÄSSIG können, also eine Masse von Einzigartigen bilden, denn mit den Worten für einen einzigen Einzigartigen bist Du kein Spezialist. Diese Einleitung nur, um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: ich bin also kein Spezialist, kein Experte. Ich habe diese Worte nicht, die fachmännisch erklären könnten, warum mich deine Bilder so ansprechen. Aber ich habe Worte für meine Gefühle und Worte für meine Reaktionen, wenn mich etwas berührt (das ist schwer genug). Und ich kann versuchen zu antworten, wenn mir etwas gesagt wird, auch wenn das Angebot zur Kommunikation nicht aus Worten besteht, sondern eben ein Bild ist. Jedenfalls, ich fühle mich durch deine Bilder im schönsten Sinn des Begriffs ANGESPROCHEN. Das ist noch nicht alles, aber das ist schon sehr viel.
Und deine Bilder berühren mich. Das ist so.
Und wenn ich mir das also klar gemacht habe, dann kann ich auch SAGEN, also WORTE finden, warum mich die Kommunikation mit deinen Bildern so anregt, so herausfordert: diese Bilder nehmen die Welt FRAGEND wahr, und dort, wo wir in der Regel das Fragen schon verlernt haben, weil wir Gewohnheit mit Verständlichkeit verwechseln, dort baust Du in den Bildern kleine Rätsel ein, Brüche, die die Fragwürdigkeit herausstreichen, und “Streichen” ist in Hinblick auf die Arbeit mit dem Pinsel ja auch ein sinniges Wort. Zum Beispiel das Bild mit Mutter und Kind am Strand – es ist völlig rätselhaft, warum da eine Reiterarmee sich hervorschält. Man kann das Bild lange anschauen, es ist kein billiges Rätsel, es wird einem mit der Zeit immer klarer, dass das sich so abbilden muss, es gibt kein Glück ohne Bedrohung, na gut – aber warum Reiter? Darüber kann man auch lange reflektieren, ich könnte jetzt eine Stunde vor mich hin tippen, bis hin zur Pointe, dass Der Blaue Reiter jetzt schwarz geworden ist, in die Düsternis des Verdrängten abgesunken ist (was auch überinterpretiert sein kann, aber auch das muss ein Bild erst schaffen: überinterpretiert werden zu können!) usw. Oder das Porträt, das sich in ein Viereck hineinzwängen muss und es doch übertritt, sozusagen die Grenzen des Kästchens nicht akzeptiert… Begrenzt und zugleich entgrenzt – das gibt mir die Möglichkeit, mit dem abgebildeten Menschen zu kommunizieren, es überfordert und unterfordert mich nicht, weil klar ist: das ist kein Idiot und auch kein Held, es ist ein Mensch.”
Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse über Ursula Singer, Februar 2012
Eine Erfolgsmeldung
2. Februar 2012 Künstler Kommentieren
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Wir als Kunstverein caratart e.V. haben im Wesentlichen ein Ziel: Junge und noch wenig bekannte Künstler zu unterstützen, ihren Bekanntheitsgrad und natürlich den ihrer Arbeiten zu steigern. Und es ist ein tolles Gefühl, wenn man etwas erreicht hat. In diesem Fall konnten wir eine Künstlerin unterstützen, endlich die Freiheit zu finden, sich voll und ganz der Kunst zu widmen.
Am Jahresanfang erreichte uns eine Nachricht aus München von der Künstlerin Gabriele Strehlau. Dank ihrer Teilnahme an unserer Ausstellung “caratart Episode 1″ und den daraus resultierenden Unterlagen, wie zum Beispiel dem Ausstellungskatalog, wurde sie nun endlich in die Künstlersozialkasse aufgenommen. “Nun bin ich das erste mal in meinem Leben komplett frei für die Kunst, ohne Einschränkung meiner Kreativität durch lästige, schlecht bezahlte Nebenjobs, durch die ich meine Sozialversicherungen gedeckt wusste. Vielen Dank also dem Verein
)!”
Aktuell arbeitet Gabriele Strehlau an den Werken für Ihre Ausstellung im Herbst 2012. Wir wünschen ihr ein tolles neues Jahr voll tatkräftiger Kreativität und freuen uns auf die Ausstellung.
Ein Kunstwerk und seine Geschichte – Künstler erzählen. Teil 2: Mike Prinz “Kenterndes Boot”
24. Oktober 2011 Allgemein Kommentieren
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Heute möchten wir den Münchner Künstler Mike Prinz und sein Kunstwerk „Kenterndes Boot” vorstellen.
Künstlerportrait
In diesem Video auf YouTube stellt FineArts-TV den Künstler Mike Prinz im Interview vor. Zeitlich fällt das Künstlerporträt in eine Schaffensphase, in der Mike Prinz Motive seiner früheren Perioden zu einer neuen Harmonie vereint.
http://www.youtube.com/watch?v=2hX915Sziks
Hier ein Auszug aus dem Interview:
FineArts-TV: Mike Prinz, du hast uns wieder zu dir in dein Atelier eingeladen. Du hast dich weiterentwickelt. Deine Bilder haben andere Motive bekommen. Und zwar sind deine Bäume und Äste, die bei dir ein grosses Thema sind und waren, sind immer noch vorhanden, aber die sind mehr in den Hintergrund getreten.
Mike Prinz: Ja, es gab eben diese Phase der „Seewälder“ wo die Bäume Protagonisten genug waren. Das war eine sehr schöne Phase, wo es für mich nicht notwendig war, Figuren zu zeichnen. Aber ich mache es schon sehr gerne. Deswegen musste es auch unbedingt wieder sein, dass ich mir Vorlagen hole und unbedingt Personen wieder male. Detailgetreu, also ganz penibel, bis ins letzte Detail oder auch weiter im Hintergrund, aber Personen müssen jetzt unbedingt wieder sein.
FineArts-TV: Man kann nicht sagen, du hast die Liebe zu den Menschen wieder entdeckt, sondern es ist eher die technische Herausforderung.
Mike Prinz: Ja, weder noch. Es ist einfach schön, Figuren zu malen. Ganz am Anfang konnte ich mir ja nicht mal vorstellen, ein Bild ohne eine Figur zu malen. Das kann man jetzt auch streichen. Aber es ist einfach wichtig, weil man mit einer Figur ja doch viel ausdrücken kann, wenn man sie malt und zeichnet. Wie sie sich bewegt, mit welchen Farben man sie malt, ist sie im Vordergrund, im Hintergrund… Man kann extrem viel damit machen. Und wenn man dann zusätzlich noch diese Äste und Bäume von der letzten Phase einfliessen lässt, dann gibt das ein sehr rundes Bild.
FineArts-TV: Und sehr viel Tiefe. Die Tiefe und die Perspektive spielt in deinen Bildern immer eine Rolle.
Mike Prinz: Ja, das finde ich, ist der Anspruch. Das man etwas malt, wo man auch eine gewisse Tiefenschärfe zeigt. Das etwas, das im Vordergrund ist, auch entsprechend detailgetreu wiedergibt und das man etwas, das weiter hinten ist, ruhig etwas verwaschener malen kann, etwas milchiger malen kann. Wenn etwas extrem im Vordergrund ist, das es ganz heraus sticht, das man es ganz flächig malt oder so. Den Anspruch hab ich, dass das Bild eine schöne Stimmung ergibt, damit man eben alles drin hat. Die Tiefenschärfe, die gehört sicherlich dazu.
FineArts-TV: Mike, bei deinen Bildern sind oft Fotos oder andere Elemente eine Vorlage. Das ist weiterhin der Fall, dass du dich konkret auf die Suche nach den Motiven begibst.
Mike Prinz: Ja, Fotovorlagen. Entweder ich mache selber Fotos von Personen, von Pflanzen oder ich finde irgendeine Vorlage, wo auch immer. Und da lasse ich mich dann inspirieren und bringe das in meine Bilder ein. Vorlagen sind ganz wichtig.
FineArts-TV: Du hast einen neuen Aspekt in deine Bilder einfliessen lassen. Das sind, jeder kann selber sagen was er darin sieht, Bälle oder Seifenblasen, die surreale Einflüsse haben. Woher kam der Wunsch, da noch mehr hineinzupacken?
Mike Prinz: Es hat eigentlich angefangen mit einer ganz konkreten Form, bei einem Bild, wo Mädchen Bälle nach oben werfen. bei dem nächsten Bild, wo die Bälle auch noch da waren, es aber nicht… Ich hab es einfach als schöne Form gesehen. Man konnte auch, in dem Bild, wo die Mädchen die Bälle nach oben werfen, sehen, dass es vielleicht noch eine zweite Bedeutung hat. Sowas wie Erwartungen. Das Bild heisst ja „Himmel voller Erwartungen“. Aber ich fand es spannend, diese Symbolik weiterhin zu verwenden in anderen Bildern. Aber auch die Vögel, die dann als Symbol mit rein spielen, haben mich auch sehr inspiriert.
Das vollständige Interview hören und sehen Sie auf YouTube. Ein früheres Künstlerportrait, welches sich mit seiner Schaffensphase rund um die „Seewälder“ befasst finden Sie unter http://www.youtube.com/watch?v=RbXdu7hUog4
Bildbeschreibung „Kenterndes Boot“
In diesem Video stellt Mike Prinz sein Kunstwerk „Kenterndes Boot“ vor.
http://www.youtube.com/watch?v=W1Tc7P5uyhE
Mike Prinz: Die Fotovorlage hat mich in der Tat sehr beeindruckt. Diese Dynamik und dieses Tohuwabohu das auf dem Bild war. Unglaublich. So dass es fast sein musste, dass ich das male. Es ist so, dass sich bei diesem Bild auch jeder selbst die Dramatik suchen kann. Es ist so das, da jede Menge Personen drauf sind, die es vielleicht schon an Land geschafft haben oder gestolpert sind. Das Land ist auf jeden Fall schon in Sicht und obwohl es hier eine tosende Brandung gibt und doch ein Unglück passiert ist, so ist doch eigentlich die Rettung schon in Sicht. In dem Fall finde ich es auch sehr passend, dass diese Blasen oder diese surrealistischen Kugeln so transparent gemalt sind, so dass sie auch den Anschein haben, dass sie vielleicht platzen. Die ein oder andere ist ja auch voll ausgemalt. Es ist wirklich eines meiner Lieblingsbilder. Also ich hab sehr gerne an diesem Bild gemalt. Dieses Bild ist in so vielen Stunden entstanden, viele Schichten hat es gebraucht, um das Boot und die einzelnen Personen heraus zu kitzeln. Und wenn man näher ran geht und sich das ansieht, so sieht man in den Details, den verschiedenen Farben und Nuancen, das es in vielen Schichten entstanden ist.
Weitere Videos von Mike Prinz finden sich auf dem YouTube Kanal des Künstlers unter http://www.youtube.com/user/mikeprinzart
Hier auf unserer Webseite finden Sie ein Kurzporträt vom Künstler und weitere Kunstwerke von Mike Prinz, die er in unserer Ausstellung „caratart Episode 1“ vorgestellt hat.
Kunstbuch & Buchkunst
5. Oktober 2011 Webfundstücke Kommentieren
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Frankfurt am Main ist schon wieder voll Vorfreude auf die Buchmesse 2011 vom 12. bis 16. Oktober.
Dazu passen wunderbar diese beiden Artikel im KUNST Magazin. Der erste dreht sich um „Das Künstlerbuch als eigenständige Kunstform“. Künstlerbücher machen Kunst auch ausserhalb von Galerien und Museen zugänglich und ermöglichen Kunsteinsteigern einen einfachen und günstigen Zugang zur Kunst und den Künstlern. Trotzdem sind Künstlerbücher nicht ein einfaches Abbild von Kunstwerken sondern sie werden eigens vom Künstler zu diesem Zweck konzipiert und sind damit auch ein eigenständiges Kunstwerk. Denn oft unterscheiden sie sich in Art, Form und Erscheinung deutlich vom klassischen Buch.
Der zweite Artikel dreht sich um Kunst aus Büchern und stellt dabei das Buch „Book Art“ von Herausgeber Paul Sloman vor. Das KUNST Magazin verlost drei Exemplare des Buches. Hier geht es zum Artikel „Kunst aus Büchern“ >>
Bildquelle: http://www.gadgetcloud.de/book-art-von-isaac-salazar-kunst-aus-buchern/
Kunst im Westpark in München
2. August 2011 Ausstellungen 2 Kommentare
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Der Münchner Westpark wurde für die Internationale Gartenbauausstellung 1983 angelegt. Von der Ausstellung blieben drei Teile der ostasiatischen Gärten, das Sardenhaus, das Seecafé und das Bayerwaldhaus erhalten.
Das Sardenhaus ist im Sommer Schauplatz wechselnder Kunstausstellungen.
Freunde ostasiatischer Baukunst werden am japanischen Garten, dem chinesischen Garten oder an der nepalesischen Pagode Freude haben.
Die Seebühne ist Schauplatz für Open-Air-Kino „Kino, Mond und Sterne“, Musik und Theater im Sommer. Daneben steht ein Modellentwurf des Hochwiesenhauses von Friedensreich Hundertwasser.
Kunst im öffentlichen Raum: Schon während der Ausstellung 1983 gab es einige Kunstwerke, die dauerhaft den Westpark gestalten. Dazu gehören zum Beispiel der Guten-Tag-Brunnen von Makoto Fujiwara, die Werke „Raumbögen“ und „Fliegende Landschaften“ von Johannes Leismüller, die Terrasse von Jean Clareboudt oder die Holzskulptur Zwei Diagonalschnitte von Rudolf Wachter.
Eine Liste aller Kunstwerke und mehr Informationen zum Westpark gibt es auf Wikipedia >>
Ein Kunstwerk und seine Geschichte – Künstler erzählen. Teil 1: Werner Pawlok “Stars & Paints”
15. Juli 2011 Künstler Kommentieren
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Um mein Projekt Stars & Paints zu realisieren, benötigte ich in der Vorbereitung Kontakte zu den Stars. In Cannes beim Filmfestival war alles vorbereitet, um mit der 50×60 Polaroid Kamera zu fotografieren. Ich wusste, dass Pedro Almodovar auf dem Festival war und wollte ihn gerne portraitieren. Ein Ober an der Croisette meinte, sein Manager würde am Strand sitzen und einen Drink nehmen. Ich ging hinunter zu dem Mann mit der dunklen Sonnenbrille und versuchte mit meinen besten Argumenten ihn davon zu überzeugen, dass ich ein Portrait von Pedro machen kann.
Der “Manager” ging sofort auf das Spiel ein. Nach ca. einer halben Stunde hob er seine dunkle Brille, lächelte und meinte “Sorry Werner, ich bin Pedro…” und bestätigte meinen Wunsch, ihn zu portraitieren. Nachdem wir fotografiert hatten nahm er mich noch zum Festival mit, um mich Gerard Depardieu vorzustellen….ein Wahnsinnstag!
Mehr Bilder aus der “Stars & Paints” Serie finden sie auf www.pawlokworks.com
caratart Mentoren im Interview – 4: Werner Pawlok
7. Juli 2011 Interview, Künstler Kommentieren
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Wann hast du die Fotografie für dich entdeckt und was war deine erste eigene Kamera?
Zur Fotografie kam ich mehr oder weniger zufällig. Schon als Teenager hatte ich die Malerei für mich entdeckt. Ich versuchte möglichst realistisch, fast schon fotorealistisch zu malen – leider war ich mit den Ergebnissen nie richtig zufrieden. So kam es zwangsläufig, als ich meine erste Kamera von meinen Eltern geschenkt bekommen habe, eine Kodak Instamatic, dass das Medium Fotografie mein Ding wurde.
Was hat die Fotografie so viele Jahre lang für dich spannend gehalten?
Ich hab mich mit der Fotografie nie auf ein Objekt oder eine Sparte festgelegt, sondern ich war grundsätzlich in alle Richtungen offen. Zunächst kam eine Phase, da musste ich erstmal begreifen, was Fotografie für mich bedeutet… Vor ausschicken möchte ich noch, dass ich Autodidakt bin. Das heißt, ich habe keine konkrete Ausbildung in Richtung Fotografie gemacht. Ich habe nie für irgendeinen Fotografen assistiert. Auch da war es für mich wichtig, möglichst unbefleckt zu bleiben. Heißt, ich wollte nicht kopieren, ich wollte auch keine direkten Vorbilder haben, denen ich nacheiferte. Ich wollte einfach, dass die Dinge, die passieren, aus mir selber kommen, mit allen Höhen und Tiefen und der ganzen Konsequenz, die das Ganze mit sich bringt.
Und so war dann der erste Schritt logisch, erstmal die Technik in den Griff zu bekommen. Ich hab damals ziemlich viele Fachbücher gelesen, das Gelernte in der Praxis ausprobiert, um dann mit ganz banalen Aufgaben anzufangen und diese zu lösen. Ich habe mich mit 23 Jahren selbstständig gemacht, brauchte Kameras und so weiter, musste also Geld verdienen. Der erste Schritt war demnach dort Fuß zu fassen, wo die Budgets lagen – in der Industrie. Die ersten Aufträge waren Still‐lifes, da lernt man dann wirklich mit dem Licht umzugehen und sich mit Technik auseinander zu setzen. Es hat dann auch ein paar Jahre gebraucht, bis ich dann sozusagen mit mir und den Ergebnissen zufrieden war. Durch diese Erfahrungen konnte ich meinen Horizont wesentlich erweitern und mich weiter um die Dinge kümmern, die mich interessierten und die ich als wesentlich empfand.
Ich habe mich dann peu à peu bei Werbeagenturen für Kampagnen beworben. Selten mit einem Portfolio mit Auftragsarbeiten. Es waren meistens freie Arbeiten, die ich präsentierte. Sicher ein gutes Rezept, denn die Art‐Direktoren wollten nicht das sehen, was sie selber jeden Tag vor der Nase hatten. Grundsätzlich hat sich Fotografie bei mir immer auf zwei Ebenen abgespielt. Die eine Richtung war die meiner freien Arbeiten, sozusagen das Spiegelbild meiner Seele und Ausdruck meines Seins und meiner Stimmung. Die zweite Ebene, wie kann ich überleben, wie verdiene ich Geld, war natürlich auch sehr wichtig und ein selbstverständlicher und ehrlicher Deal mit mir selber. Schon damals konnte ich beobachten, wie viele meiner Kollegen extreme Schwierigkeiten mit diesem Spagat hatten. So hat mir meine ureigene Überzeugung extrem geholfen, mich weiterzuentwickeln.
In der Praxis waren das am Anfang Schwarz‐Weis‐Fotografien. Vor allem Menschen, Porträts, Reportagen – das Übliche. Ganz am Anfang, das hätte ich beinahe vergessen, waren es eigentlich Bands auf der Bühne. Ich bin damals von Konzert zu Konzert gereist und habe fast alles gesehen, was auf Tour war. So entstanden meine ersten freien Arbeiten. Ein besonderes Highlight war mit 16 Jahren Jimi Hendrix auf der Bühne zu fotografieren. Bands wie The Who, Jethro Tull, Black Sabbath, Pink Floyd, et cetera folgten. Das hat mir einfach riesig Spaß gemacht. Ich lernte die ganzen Veranstalter kennen, durfte auf die Bühne hoch und konnte mich austoben. Zum damaligen Zeitpunkt noch ohne jegliche kommerzielle Perspektive. Dann war Reisen ein sehr wichtiges Thema. Marokko, Türkei, USA, Ägypten. Mit 16 Jahren nach London und von London dann bis nach Schottland hochgetrampt. Immer die Knipse dabei.
Heute entdecke ich diese Arbeiten wieder und fange an, diese alten Arbeiten neu zu sehen. Gerade habe ich eine Serie wieder entdeckt und ausgearbeitet, sie nennt sich Moving Cities‐London. Das sind Motive aus den 60er Jahren, die ich aus meiner jetzigen Sicht, mit dem Blick auf das Vergangene umsetze. Bei dieser Serie bekommt meine immer noch sehr starke Affinität zur Malerei eine wichtige Rolle in der Umsetzung.
Du spielst mit der Bildbearbeitung und auch den unterschiedlichen Materialien. Was macht daran der Reiz aus? Wie wagst du dich an neues Material heran? Du hast ja mal mit Polaroids gearbeitet und auch in der Bildbearbeitung gehst du ja immer wieder neue Wege. Wie kommst du da drauf?
Was ist das Geheimrezept?
Genau!
Da gibt es eigentlich keines. Die Dinge kommen eigentlich zu mir. Das ist nicht so, dass ich da überlegen muss, wie bin ich kreativ, sondern es passiert. Ich glaube, dass ich mit offenen Augen durchs Leben gehe. Dinge, die mir gefallen und mich interessieren, die speichere ich ab und dann, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, fange ich einfach an diese Eindrücke in Bilder umzusetzen. Es gibt keine Vorgehensweise, so dass man sagen könnte, das ist immer so. Sondern das sind meistens Zufälle aus denen sich neue Projekte entwickeln. Oft arbeite ich über Jahre an ganz unterschiedlichen Projekten.
Es war auch ein Zufall mit meiner Zusammenarbeit mit Polaroid. Das war Ende der 80er Jahre, 1987, da wurde ich von Polaroid auf meine Arbeiten angesprochen. Es ging damals um die Neueinführung eines Dia‐Films, er nannte sich PolaChrom und PolaPan und war ein 35mm Film, den man quasi vor Ort direkt ›on location‹ entwickeln konnte. Ich wurde gebeten, mal ein paar Tests mit dem Material zu machen. Und so kamen wir ins Gespräch und dann wurde mir die 50×60 Kamera angeboten bzw. ich durfte mit dieser wunderbaren Kamera arbeiten. Dies war einer dieser ganz normalen Prozesse, dass das eine das andere ergeben hat und plötzlich war ich mittendrin. Mehrere Jahre arbeitete ich mit der 50×60 Polaroid‐Kamera, es war mein Ding – jedes Bild ein Original – das gibt es heute in der Form gar nicht mehr. Aber als ich dann das Gefühl bekam, dass ich anfange mich selber zu wiederholen, war einfach für mich total klar, jetzt muss etwas Neues kommen. Es kam Neues – dies war das Zeitalter der Computer und ich war von Anfang an mit dabei. Die ersten Workshops bei Kodak, dem Filmhersteller, die sich mit digitaler Fotografie beschäftigt haben. Es war ein Glück!
Apropos Anfang – auch da gab es verschiedene Ebenen. 1978 eröffnete ich eine Galerie in Esslingen, es war die erste Fotogalerie in Süddeutschland. Damals eigentlich noch völlig undenkbar, Fotografie als Kunst. Es gab viele Gespräche in der Richtung »Was soll das? Du investierst hier in eine Sache, die dir sowieso nix bringt.« Aber wenn ich es heute sehe, welchen Stand die Fotografie in der Kunst hat, dann war das eigentlich eine total wichtige Eingebung, Pionierarbeit zu leisten. Die Fotografen, die mich interessierten, wurden gezeigt. Hier schließt sich jetzt auch der Kreis mit dem Mentoren‐Programm.Es hat mir immer wieder Spaß gemacht, Leute auszuwählen, deren Potential ich erkannte, diese kennenzulernen und zu fördern, Prozesse zu durchleben oder auch gemeinsam an Projekten zu arbeiten.
Meine Arbeit an der Kunstakademie in Stuttgart – auch ein prägender Schritt. Ich war gerade mal 24 Jahre alt, und selber noch völlig am Anfang, bekam die Aufgabe, Studenten mein bisheriges Wissen zu vermitteln. Es war eine sehr gute Möglichkeit meinen Status abzufragen. Das hat total Spaß gemacht und man stellt fest, wie sehr es einem selbst etwas bringt, wenn man offen ist. Ich war nie jemand der unter Verschluss gearbeitet hat, habe mich immer für neue Dinge geöffnet. Sei es durch Workshops oder Vorträge oder auch immer wieder durch die Aufnahme von Praktikanten ins Atelier, denen ich meine Erfahrungen weitergeben konnte.
Gerade das offen sein für Neues und das Reisen, welches du ja vorhin schon angesprochen hast, ist nicht nur bei dir, sondern für viele Künstler eine wichtige Erfahrung.
Grundsätzlich behaupte ich, dass du vor allem als Künstler offen und tolerant sein solltest. Es gibt dir die Chance, als Mensch akzeptiert zu werden. Du bekommst dadurch Einblicke in Dinge, die für die Entwicklung sehr wichtig sind. Besonders auf meinen Reisen hat mir dies stets sehr geholfen. Wenn du als Künstler aufhörst, offen zu sein, dann glaube ich, wird deine Kunst eindimensional und sehr begrenzt. Ich habe immer Künstler hinterfragt und auch kritisch beobachtet, die einmal ihr Ding gefunden haben und sich dann tausendmal wiederholten. Für mich war immer Prämisse, mich nicht zu wiederholen, mich vom Erfolg nicht beeinflussen zu lassen. Nur wenn ich selber für mich das Gefühl habe, dass ich mich in meinem Projekt nicht weiterentwickele, fange ich mit neuen Projekten an, um mich weiter zu bewegen. Wenn ich keine Bewegung mehr spüre, bedeutet das Stillstand und dann sehe ich auch meine Rolle nicht mehr in einem Projekt.
Alle deine Projekte sind spannend, aber hast du ein Lieblingsprojekt? Was hat dir am meisten Spaß gemacht oder was hat dich am tiefsten bewegt?
Werten kannst du deine eigenen Projekte sowieso nicht. Und wenn du nach dem spannendsten fragst – es sind so viele spannende Dinge passiert. Die Ideen zu den Projekten entstehen in mir. Das heißt, ich suche nach Dingen, die mich interessieren und das ist die Maßgabe. Zum Beispiel das »Stars and Paints Projekt«. Die Idee von mir war, den Porträtierten einfach mal ein Stückchen zurückgeben, als kleines Dankeschön, dass sie mich in meinem Leben beeinflusst und begleitet haben. Also von denen ich z.B. einen spannenden Film gesehen habe, eine interessante Fotografie oder eine bestimmte Musik. Damals dachte ich, das wär doch ein Wahnsinn, die alle einmal kennenzulernen. Du machst dir so eine Wunschliste und versuchst das einfach zu erreichen – und plötzlich war da Roman Polanski, Juliette Binoche, Pedro Almodovar oder Jean‐Loup Sieff vor meiner Kamera.
Die Frage nach der Wertung kann ich nicht beantworten. Ich fand alle, jedes auf seine Art, einfach perfekt.
Sonst hättest du sie ja nicht gemacht… Jetzt bist du ja Mentor bei uns im caratart e.V. Was motiviert dich, jungen Künstler etwas mitzugeben? Du hast ja schon von der Akademie gesprochen. Was möchtest du bei und mit uns bewegen?
Es ist doch grundsätzlich so, wenn du mal ein bestimmtes Alter erreicht hast, entweder behältst du dann alles für dich und alles bleibt beim Alten, oder du gibst deine Erfahrungen weiter. Für mich ist es eigentlich die Basis, bestimmte Dinge weiterzugeben. Und dann war ich ja auch jemand, der in dieser Umbruchzeit von analog zu digital gearbeitet hat, das heißt ich hab 100% analoge Technologie mitbekommen, ich hab selber mit der Schale entwickelt. Wir hatten mal ein großes Labor mit viel Chemie und Entwicklungsmaschinen. Und inzwischen bin ich voll drin in dieser ganzen Digitaltechnik. Das sind Prozesse. Und das merke ich auch, wenn ab und zu mal jemand vorbeikommt, der jetzt Anfang 20 ist, auf deinem Leuchttisch liegen Dias und der fragt dich dann »Was ist denn das?«. Dann hab ich hier eine Aufgabe, bestimmte Dinge zu vermitteln, bevor sie vollkommen vergessen werden. Wobei, eins macht mir ja Mut, es gibt auch wieder junge Fotografen, die absolut mit analoger Fotografie wieder etwas anfangen und sich total dafür interessieren. Und gerade da ist es wichtig, bestimmte Erfahrungen weiterzugeben, die ich mit der Analog‐Fotografie gemacht habe. Mir macht es einfach Spaß die gelernten und erfahrenen Dinge weiterzugeben. Dass die Fotografie einfach so, wie ich sie verstehe, weitergetragen wird und noch viele Freunde findet.
Dieses Interview wurde erstmals veröffentlicht im Ausstellungskatalog zur Kunstausstellung “caratart Episode 1″. Blättern >>
caratart Mentoren im Interview – 3: Hendoc
5. Juli 2011 Interview, Künstler Kommentieren
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Erzähl uns von deinem ersten Erlebnis mit einer Kettensäge.
Das erste Erlebnis mit der Kettensäge war eine misslungene Baumfällung im Alter von 14 Jahren. Die Fichte bekam einen Windstoß ab und landete direkt auf der Motorhaube des nagelneuen Mercedes des Nachbarn. Anstatt für immer mit diesem Werkzeug aufzuhören, habe ich mich in den folgenden 1000 Baumfällungen stets verbessert. Bis heute…
Dein künstlerisches Schaffen dreht sich um Holz. Was bedeutet Holz für dich?
Sieht man einen schönen Baum, so versteckt er seinen eigentlichen Schatz unter seiner Rinde. Berührt die Krone des Baums irgendwann – bedingt durch Fällung oder Sturm- den Boden, ist es kein Baum mehr, sondern eine Menge Holz. Aus diesem dann das Filet herauszuschneiden, um das Leben des Baumes zu lesen, ist die Kunst der Materialbeschaffung…
Die Geburt deines Sohnes und die Entstehung des Projektes ei-che.de fallen ins gleiche Jahr. Gibt es da einen Zusammenhang oder ist das Zufall?
Als ich hörte, dass ich ein Kind bekommen würde, habe ich einen 3 m langen und 200 kg schweren Spermatit geschnitzt. Dieser schoss optisch auf 2 Eier zu, um sich eben eines auszusuchen. Später legte ich das Baby in die Kuhle des Eies und es fühlte sich sehr wohl dort und schlief gleich ein. Solange mir das Herstellen von diesen Skulpturen Spaß bereitet, werde ich weiter aus den besten Stücken des Baumstamms Eier schnitzen…
Graffiti in 3D – mit der Kettensäge aus Holz geschnitzt. Wo liegen die Wurzeln dieses ungewöhnlichen Kunst- und auch Kriminalpräventions-Projektes.
Mein erfolgreichster Praktikant kam 1999. Er war damals 19 und wusste nicht so recht, was er machen wollte. Und er war Sprayer und malte nachts Züge und Wände an. Da kam es zur Initialzündung des Schnitzing- Projekts. Heute ist er Bildhauer-Meister und bildet als Lehrer andere Bildhauer aus.
Was möchtest du jungen Künstlern im Rahmen unseres Mentoren-Programms mit auf den Weg geben?
Künstler zu sein, heißt, täglich zu üben, zu produzieren und verhältnismäßig mehr zu arbeiten als Menschen in „normalen“ Berufen. Wer nicht fleißig ist, wird es nicht schaffen, von seiner Kunst zu leben.
Dieses Interview wurde erstmals veröffentlicht im Ausstellungskatalog zur Kunstausstellung “caratart Episode 1″. Blättern >>